„Was uns im Glauben trägt, hat auch Bestand, wenn Veränderungen unausweichlich sind“

Gott ist gegenwärtig – und zwar auch dann, wenn wir das nicht spüren. Wenn Zweifel aufkommen oder die Unsicherheit um sich greift. Gott ist gegenwärtig – und manchmal, wenn wir das selbst nicht glauben können, dann trägt uns der Glaube unserer Schwestern und Brüder.

Der Gottesdienst, den wir regelmäßig mit Patientinnen und Patienten im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf feiern, steht für dieses gemeinsame Tragen von Leid und für das Teilen der Freude, für das Aushalten und für die Chance auf Veränderung. Gerade in Zeiten von Krankheit, Geburt oder auch dem Tod ist es wichtig, dass wir Rituale haben, die uns vertraut sind und die uns Halt geben.

Wir brauchen den gegenseitigen Beistand und wir brauchen auch das Miteinander-Geübt-Sein in diesen Situationen. Und, gerade diejenigen, die regelmäßig in den Gottesdienst gehen, wissen, wie sehr die altbekannten Lieder und Texte Erinnerungen an frühere Gottesdienste in der Gemeinde wach halten. Es schwingt etwas mit von dem Glauben, der gewachsen ist und der das Leben begleitet hat. Die Zeit im Hamburger UKE unterbricht den Alltag, aber sie unterbricht nicht die Zeit des Glaubens.

Vielleicht reicht es, einfach nur da zu sein, zu singen und zu beten, eine Kerze anzuzünden und zuzuhören. Vielleicht ist ein freundlicher Blick tröstender als alles andere … und vielleicht reicht das auch – und das ist schon richtig viel!

Nicht selten gibt es Situationen, die den Glauben herausfordern. Wenn ich spüre, dass etwas über mich selbst hinaus will oder muss. Wenn es so, wie es bisher war, nicht weiter geht oder nicht weiter gehen soll. Vielleicht ist dann die Grenze des Erträglichen erreicht, vielleicht ist da eine Enge, die nicht mehr passt oder die Kraft lässt nach. Manchmal ist die Notwendigkeit zur Veränderung einfach unausweichlich – und das tut weh.

Für Christen kann diese Suche nach Veränderung über die bisherige Lebenserfahrung hinaus in ein vertieftes Glaubensverständnis führen. Jesus hat uns diesen Weg vorgelebt. Jesus hat sein Leben untrennbar mit Gott verbunden und in Jesus ist Gott selbst Mensch geworden. Nichts Menschliches ist Gott fern und Gott ist uns näher als unserer Halsschlagader, wie die Muslime es ausdrücken.

Mit dem Vaterunser-Gebet stehen wir in der direkten Nachfolge zu Jesu Leben und seinem Anliegen: wie im Himmel, so auf Erden. Es gibt also eine Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und den Menschen. Und es gibt Zeichen, die diese Verbindung ausdrücken.

Eines dieser Zeichen, in denen Jesus uns diese Verbundenheit gezeigt hat, ist das Abendmahl, beziehungsweise die Eucharistie. Hier wird deutlich, dass Jesus schon vor seinem Tod wollte, dass wir weiterhin mit ihm verbunden bleiben. Beziehungen haben also auch über den Tod hinaus Bestand. Sie bleiben tragend und wichtig und hinterlassen Spuren, wenn wir uns erinnern.

Und auch dann, wenn Katholiken und Protestanten unterschiedlicher Meinung darüber sind, wofür das Abendmahl oder die Eucharistie steht, oder was wir darunter verstehen. Und ich denke auch nicht, dass wir zu einem einheitlichen Verständnis kommen müssen. Aber, wenn wir in der gegenseitigen Anerkennung unserer Unterschiede mehr Gemeinsames als Trennendes zulassen, ist das vielleicht eine Antwort auf die Frage: was uns wirklich trägt.

Denn das, was uns wirklich trägt im Glauben, hat auch dann Bestand, wenn Veränderungen unausweichlich sind, und wenn wir über unsere bisherigen Lebenserfahrungen hinausgehen.

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Friederike Brandtner lebt in Hamburg und ist Laienpredigerin am Universitätsklinikum Eppendorf.

Foto: unsplash.com/Sarah Noltner

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