Enough Gesangbuch: Oh, du Heilige – Weihnachtssongs ohne Wham!

Waiting Here For You – Christy Nockels („Passion: Here for You“)

„If faith can move the mountains
Let the mountains move
We come with expectation
Waiting here for you,
I’m waiting here for you“

Als ich diesen Song zum ersten Mal hörte, vielmehr als Live-Video auf YouTube sah, aufgezeichnet im Januar 2011 während der Passion-Konferenz in Atlanta vor gut 20.000 College-Studenten, dachte ich nur: Wow, what’s happening? Hatte mich Christy Nockels‘ flehentlich zarter Gesang zunächst in eine wohlig meditative Stimmung gelullt, ging das von Superstar Chris Tomlin und anderen verfasste Stück ab Minute drei in ein derart kraftvolles Crescendo über, dass mir Schauer über den Rücken liefen. „Singing Alleluia“, wummerndes Schlagzeug, satte Gitarrenriffs, Widerstand zwecklos. Wer Christy Nockels dann noch zusieht, unprätentiös, komplett eins mit jeder Zeile, jedem Ton, der hat die Chance, in „Waiting for You“ mehr zu erleben als bloß Musik. Und nicht viele tracks besitzen diese Gabe.

Glorious – David Archuleta („Meet the Mormons“, Soundtrack)

„And you will know how
To let it ring out
As you discover
Who you are
Others around you
Will start to wake up
To the sounds that are
In their hearts“

Ich bin weder ein großer Fan von David Archuleta, der 2008 die siebte Staffel von „American Idol“ als Vize abschloss, noch ein Kenner der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, besser bekannt als Mormonen. Trotzdem hat sich „Glorious“ einen festen Platz in meiner Favoritenliste religiös inspirierter Songs erobert, weil mir das begleitende und fröhlich stimmende Video mit Ausschnitten aus dem Dokumentarfilm „Meet the Mormons“ so gut gefällt. Ohne mir eine Meinung über Joseph Smith oder das Buch Mormon erlauben zu wollen, finde ich die Message, die Archuletas effizienter, zurückhaltender Gesang hier transportiert, so universell wie erhellend. Das (Zusammen-)Leben ist wie ein Sinfonieorchester, in dem jeder einen Platz hat und eine Rolle übernehmen muss. Wer das erkennt und wenn dieses Ideal erreicht wird, dann, singt Archuleta mit warmem, leicht rauhem Timbre, ist „amazing, what we’re all creating“.

I Surrender – Hillsong Live („Cornerstone Live: Deluxe Edition“)

„Here I am
Down on my knees again
Surrendering all
Surrendering all“

Mindestens ebenso wichtig wie Durchhalteparolen und aufputschende Instagram-Memes wie #staystrong und dergleichen find ich mehr und mehr Momente der Erkenntnis, dass wir die eben keine unkaputtbaren Superhelden sind. Allen Apps, Coaches und Selbsthilfe-Rategebern zum Trotz bleibt der Mensch ein erstaunlich aber auch irgendwie wundervoll zerbrechliches Wesen. Und sich das ab und an einzugestehen hat in unserer „Du schaffst es“-Kultur eindeutig zu wenig Raum. Warum ich das vorausschicke? Weil es gesagt werden muss – und weil „I Surrender“ eine gelungene Einladung ist, dem inneren Zuchtmeister, der „Weiter, weiter“ brüllt und mit der Peitsche knallt, in die Mittagspause zu schicken. Oder gleich ganz in die Rente.

Diese Erlaubnis, ja, diese Notwendigkeit formuliert der Song des 2013 erschienenen 21. (Live-)Albums der erfolgreichen Lobpreis-Band, die damals auf Platz 32 der Billboard 200 debütierte. Fast flüsternd und angenehm rauem Timbre bittet Matt Crocker und ein Gespräch mit Gott, will ihn (oder sie) besser kennenlernen streckt dafür mit den wiederholten Worten „I Surrender“ alle Waffen. Ab Minute 2:30 beginnt das für Worship-Stücke, gerade Live-Aufnahmen, typische Arena-Crescendo: „Like a rushing wind, Jesus breathe within, […] Like a mighty storm, stir within my soul, Lord have your way, Lord have your way in me“. Im Publikum allseits erhobene Hände, eine Stimmung, die Gänsehaut erzeugt.

The War is Over Now – Sarah Brightman („Harem“)

 „An arrow of freedom
Is piercing my heart
Breaking chains of emotion
Give a moment to pray
For lost innocence to find it’s way“

Dieser Song vom erfolgreichen „Harem“-Album der Sopranistin, die einst im Alleingang das Genre des Classic-Pop-Crossver erfand, ist wie eine hoffnungsvoll eindringliche Hymne und dank Brightmans Duettpartner Kathem Al-Saher aus dem Irak sind gleich noch etliche Takte Völkerverständigung eingemischt. Und das bereits 2003, als der Kampf gegen Saddam Hussein gerade erst mit Angriffen und Besatzungsmaßnahmen begann. Federzart erklingt hier die Stimme der Britin, sie singt, begleitet von Nigel Kennedy auf der Geige, vom friedlichen Morgen nach umkämpfter Nacht:

„In morning dew
A glorious scene came through
Like war is over now
I feel I’m coming home again“

Verfrüht, denn es sollte noch bis 2011 dauern, ehe der Irakkrieg als „Erfolg“ verbucht wurde, nicht weniger prophetisch und bis heute leider hochgradig aktuell.

God and Me – Kristin Chenoweth („Some Lessons Learned“) 

„If God and me sat down for tea
I would ask him why he made a heart that could break so easily
If God had time would it be a crime
If I said I saw some one tiny flaw in his grand design“

Auch sieben Jahre nach der Veröffentlichung bleibt dieses country-eske Album des Broadway-Stars („Wicked“) ein kleines Juwel in meiner Apple-Mediathek. Was zum einen am präzisen, gefühlvollen Gesang von Kristin Chenoweth liegt, der mit „Borrowed Angels“ gleich noch ein ungemein anrührendes Trauerlied gelang. Zum anderen passen Kompositionen, Orchestrierung und Lyrics der zierlichen Sängerin und Schauspielerin aus Broken Arrow, Oklahoma, wie ein maßgefertigtes Bühnenkostüm. Ihr Zwiegespräch mit dem Himmlischen Vater in „God and Me“ ist bewusst folksy gehalten und erhält dadurch eine besondere Authentizität, schließlich ist Chenoweth ein southern girl. Da gehen ihr solche Zeilen mit dem typischen twang und ganz easy von den Lippen:

„If God dropped by
For some homemade pie
I’d serve dessert and ask why it hurts
Every time we hear goodbye“.

Mein Tipp: Unebdingt das ganze Album kaufen oder streamen und das mitreißende Resümmee „Lessons Learned“ mit auf die Playlist setzen.

Fotos: Mark Rabe/Unsplash.com

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