The Moment mit Svenja Altan, Bold

Dein beruflicher & privater Hintergrund in einer Minute:
Ich bin gebürtige Lübeckerin, habe lange in Berlin gelebt und bin dann mit Mann und Mops vor ca 2,5 Jahren nach Kalifornien ausgewandert. Ich arbeite schon lange im Bereich Marketing für und mit Lifestylemarken – der Mix aus Strategie, immer neuen Aufgabenstellungen und die Zusammenarbeit mit vielen interessanten und kreativen Menschen macht mir Spass. 2010 habe ich gemeinsam mit Julia Winkels die Kommunikationsagentur BOLD in Berlin gegründet und leite aktuell unser L.A. Office – zusammen mit Yvonne Busch. Was nur meine Freunde von mir wissen? Das macht sie zu meinen engen Freunden!

Was war/ist deinen Eltern wichtig für dich (gewesen)?
Ich werde nie vergessen, dass mein Vater immer wieder sagte „Studier doch Kunst, wenn du willst!” – wollte ich aber gar nicht. Er hat immer sehr viel Wert auf Selbstentfaltung gelegt – was ich ihm sehr hoch anrechne. Er selbst war fast 50 Jahre als Ingenieur bei der selben Firma in Lübeck, hat mich dann aber 100% unterstützt und ermutigt, nach dem Abitur als Au-Pair nach Caracas (Venezuela) zu gehen – und das obwohl ich kein Wort Spanisch konnte. Er wollte, dass ich meinen Träumen folge und hat immer an mich geglaubt – egal wofür ich mich entschliesse.

Was war dir früher wichtig?
Freiheit, kombiniert mit einer große Unruhe, die mich angetrieben hat. Erfolg war mir wahnsinnig wichtig. Ich bin sehr ehrgeizig und ich habe mich immer darauf konzentriert, fleissig zu sein und voranzukommen.

Wie siehst du das heute?
Ich mag inzwischen mehr Langsamkeit, auch mal loslassen können, sich nicht so stressen lassen bzw selbst unter Druck zu setzen…daran arbeite ich aber noch.

Wie definierst du heute Erfolg?
Sich finanzielle Sicherheit aufzubauen ohne verbissen zu sein, fleissig sein, aber dennoch entspannt bleiben und flexibel arbeiten zu können. Glücklich sein!

Wie hast du früher darüber gedacht?
Früher habe ich linearer gedacht, deutscher…eins nach dem anderen. Ich denke heute eher, dass alles teil vom Ganzen ist. Konkret heisst dass, das man zB durcharbeitet und dann im Urlaub 200% Entspannung sucht – ich glaube das funktioniert nicht, sondern diese Entspanntheit muss man in den Alltagsmomenten einbauen und finden.

Was war der bisher größte Wendepunkt in deinem Leben?
Als ich meinen mein Mann kennengelernt habe – er hat mich viel emotionaler, großzügiger und hilfsbereiter gemacht!

Was war die schwerste Entscheidung und/oder Phase bisher in deinem Leben?
Das Warten auf das US-Visum war hart, diese Ungewissheit und Hilflosigkeit…ich bin ein Mensch, der besser mit schlechten oder guten News umgehen kann – gar keine News, bzw in der Schwebe zu sein, macht mich fertig. Auch Durchhalten ohne Glaube an den Sinn finde ich schlimm, das habe ich aber zum Glück bisher auch nur selten in meinem Leben gemacht!

Wann genau war dieser Moment, an dem du wusstest, es muss etwas anders werden – oder es wird sich etwas verändern? Und wie hast du ihn erlebt?
Das war als Julia Winkels mich anrief mit den Worten “Wie sieht es bei dir aus, wollen wir uns selbständig machen?” – da wusste ich sofort, das ist die Chance, wieder zurück nach Berlin und ab ins Ungewisse! Ich habe sofort zugesagt und die Woche darauf der Corporate Welt gekündigt. Interessanterweise kann ich mich bei den wirklich wichtigen Schritten immer ganz schnell entscheiden – wahrscheinlich weil es sich eben so absolut richtig anfühlt.

Und wie hast du das alles durchgestanden?
Immer nur ein Tag nach dem anderen…nie an alles auf einmal denken, dann wird man überrollt…Schritt für Schritt ist alles einfacher.

Worauf vertraust du heute?
Auf meine innere Kraft und darauf, dass meine Familie und engsten Freunde sowohl in Deutschland als auch hier in Amerika mich lieben und an mich glauben.

Wie sah früher dein Alltag aus?
Eigentlich fast genauso wie heute – nur ohne Mops und Palmen.

Wie läuft heute ein typischer Tag in deinem Leben ab?
Müde aufwachen, Mops im Arm macht mich müder, dreimal Snooze, aufstehen, Kaffee, erster Call mit Headset von zu Hause, nebenbei fertigmachen, ab ins Auto und zweiter Call mit Europa von unterwegs, im Büro: Meetings, Emails, Teamabsprachen. Nach der Arbeit entweder Freunde treffen oder meist eher nach Hause und mit meinem Mann einen Feierabend-Drink trinken, kochen und entspannen.

Deine drei besten Eigenschaften?
Begeisterungsfähigkeit, Spontanität, Durchhaltevermögen

Deine drei größten Herausforderungen mit dir?
Leistungsdruck, mental im hier und jetzt anstatt in der Zukunft zu sein, Ungeduld

Was bringt dir Freude?
Mein toller Freundeskreis, in der Sonne sitzen, mein Mops Mücke, mit meinem Mann auf unserer kleinen Berghütte werkeln. im Cabrio durch LA fahren und Musik laut aufdrehen (das ist hier völlig ok). Palmen. Essen.

Was macht dir Angst/Sorgen?
Machthungrige Menschen ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Empathie. Klimawandel. Die Lebensmittelindustrie in Amerika.

Drei Lieblingsbücher (mit Begründung/m. B.).
Drei sind zu wenig! Ich konnte es auf 5 runterdampfen, wobei mir sicher viele nicht eingefallen sind. Ich verschenke meine Lieblingsbücher immer weiter, so dass sie leider nirgendwo gesammelt sind.
1. Shantaram (xx) – mein absoluter Lieblingsroman, basierend auf einer wahren Geschichte, durchgelesen in einem Thailandurlaub und nicht einmal losgelassen.
Tausend strahlende Sonnen (Khaled Hosseini) – ein Stück Afghanistan… wunderschön und poetisch und gleichzeitig brutal und erschütternd
Wassermusik (T.C. Boyle) – Einfach ganz anders als andere Bücher. Sprachgewalt x Wortwitz!
Der Klang der Zeit (Richard Powers) – toller Roman über die Rassenkonflikte in den USA, sprachlich vielschichtig und anspruchsvoll.
Kids (Patti Smith) – transportiert das Lebensgefühl vom New York der 60er. einfach cool.

Drei Lieblingsfilme (m. B.).
Ich bin nicht wirklich ein Mensch mit Lieblingsdingen „für immer“…ich probiere so viel aus und mein Geschmack ändert sich definitiv über die Jahre. Ich versuche es mal nach Lebensphasen:
10-20: Dirty Dancing – my dirty pleasure! Meine Jugend! Der erste Film, der sich eingebrannt hat.
20-30: Der Pate – beste Crime x Familiensaga! Classic. ich liebe die Länge & Tiefe, bzw dass er mehrere Teile hat.
zuletzt gesehen: Amy – Musiker-Biographien fesseln mich fast immer. Wahnsinn(ig traurig), wie der Erfolg Amy Winehouse beeinflusst hat und was für ein mega Talent sie war.

Eine Serie zum Wochenende-Durchgucken (m. B.).
Fast alles von HBO!
24 – das war damals die erste Serie, die wie ein langer Film war. So spannend, ich glaube Emre und ich haben einmal 14 Folgen am Stück geguckt!
Transparent – contemporary, witzig, gesellschaftskritisch und LA!
True Detective, first season – die Bildsprache! die Charaktere! Einfach next level.

Drei Menschen, die in deinen Augen Vorbilder sind. (m. B.)
Mein Papa für seine Kraft und seinen Verstand, meine Schwiegermama Suzan für ihre Selbstlosigkeit, der Soul-Sänger Charles Bradley für seinen unerschütterlichen Glaube an seinen größen Traum.

Wenn du ein Problem der Welt lösen könntest, welches würdest du wählen? Warum?
Das muss natürlich etwas Bedeutendes sein – ich würde mir wünschen, dass Menschen weitsichtiger denken würden und nicht nur ans hier und jetzt. Darunter fällt dann Krieg, Macht, Umwelt. Ich würde mir wünschen, dass die Menschheit dazulernt und sich weiterentwickelt!

Das größte Kompliment, dass du je bekommen hast?
Das war, als meine Freundin Steffi Hennecke, die ich damals noch nicht kannte, auf einem Event in Berlin auf mich zukam und sagte: “Ich muss dir das jetzt einfach sagen: Du bist die schönste Frau hier – du strahlst einfach krass von innen heraus!” Gerade von einer anderen Frau hat mir das wahnsinnig viel bedeutet. Natürlich waren wir ab der Nacht befreundet. Ich hoffe, ich kann mir dieses Strahlen lange oder am besten immer bewahren!

Wie lautet dein persönliches Mantra/Lebensmotto?
Glücklich sein und mehr Dinge tun, die einen glücklich machen! Das sind nämlich oft die kleinen Dinge.