The Moment mit Constantin Gonzalez Schmitz, Paleosophie

Mit Enough bewegen wir uns mit unseren Lesern immer wieder neugierig und kreuz und quer durch viele hochspannende Communities – von verschiedenen Ernährungsweisen über Fitnessriten bis zu gesellschaftspolitischen Bewegungen und unsere Welt (zum Guten) verändernden Start-ups. In unserer ersten Ausgabe und haben wir beispielsweise verschiedene deutschsprachige Blogger, Aktivisten und Business-Gründer zu ihrem prägendsten „Change“-Moment befragt.

Und wie immer, wenn man mit Menschen spricht, die sich etliche Gedanken mehr machen als andere, fällt so viel „food for thought“ der Kürzungsschere zum Opfer. Doch dank unserer Website haben wir zum Glück die Möglichkeit, Ihnen die Antworten unserer nachdenklichen, inspirierenden Interviewpartner nach und nach in voller Länge präsentieren zu können.

Diesmal erfahren wir mehr von Steinzeit-Diätler und Blogger Constantin Gonzalez Schmitz von Paleosophie, der außerdem den besten News-Aggregator zum Thema „Steinzeit-Diät“ betreibt, und zwar auf Paleo-Planet.de. Unbedingt bookmarken. Hier nun sein Input zum Thema „Veränderung“:

Was war Ihre größte persönliche Veränderung, die Sie in Ihrem Leben in den letzten 3 bis maximal 5 Jahren vorgenommen haben bzw. vornehmen mussten? Und wie haben Sie sich dafür motiviert und alles erfolgreich durchgestanden?
Meine größte Veränderung in den letzten 3–5 Jahren war die, mich intensiv mit meinem Körper, Gesundheit und Ernährung zu beschäftigen. Ich hab mich nie wirklich krank gefühlt oder übermäßig dick, merkte jedoch, dass ich jedes Jahr ein Pfund mehr auf die Waage brachte. Mir war schon immer klar, dass diese drei Themen eng zusammengehören und so fing ich an, systematisch zu recherchieren, wie genau Ernährung mit Gesundheit und mit dem Körpergewicht zusammenhängt.

Als wissenschaftlich denkender Mensch suche ich dabei immer nach dem „warum“ und „wie“, also nach Ursachen, Wirkungen und Mechanismen. Das Thema Gesundheit und Ernährung ist in den Medien sehr verwirrend: Zu jeder Meinung gibt es eine Gegen-Meinung, zu jeder Studie eine Gegen-Studie. Da ist es schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Je tiefer ich mich in die Materie einlas, desto mehr begannen die Puzzleteile einen Sinn zu ergeben: Die Evolution, die den Menschen seit Millionen von Jahren geprägt hat hilft uns, zu verstehen, wie Ernährung auf den Körper wirkt, wie der Körper mit seiner Umwelt interagiert und wie Natur und Mensch zusammen als System funktionieren. Vor diesem Hintergrund ist es ganz leicht, moderne Forschungsergebnisse zu verstehen oder nachzuvollziehen, wie moderne Ernährung dem Menschen schadet.

Die Faszination, das Zusammenspiel zwischen Evolution, Ernährung und Gesundheit zu verstehen ist für mich die größte Motivation: Wenn man versteht, was für den Körper „richtig“ ist, ist es ganz leicht, auch eine große und unkonventionelle Veränderung zu machen. Ich begreife Ernährung auch als Chance, ganz praktisch mit Experimenten an sich selbst direkt Feedback zu bekommen, was funktioniert und was nicht. Dies führt oft zu ganz erstaunlichen Effekten, die man sonst nicht für möglich gehalten hätte: Kein Mittagstief mehr, schlank ohne Hunger, obwohl man mehr Fett isst, mehr Energie, so dass man plötzlich gerne Sport treibt (ich war immer zu faul dazu) usw.

Wenn Sie für einen Tag die „Weltherrschaft“ übernehmen könnten (ganz friedlich, natürlich!), was würden Sie zuerst verändern?
Ich maße mir gar nicht an, zu wissen, wie man die Welt regieren könnte :). Aber es wäre gut mehr Transparenz zu schaffen. Das Internet trägt schon sehr gut dazu bei, die Menschen besser zu informieren, damit sie eigenverantwortlich Entscheidungen treffen können, das war vor einigen Jahrzehnten kaum denkbar.

Transparenz und Informationsfreiheit sind wichtig, aber was nützt das, wenn keiner mitdenkt oder was daraus macht? Ich würde versuchen Menschen zu ermuntern, sich stärker selber zu informieren (statt das den Massenmedien zu überlassen), die Dinge selber besser zu verstehen (statt das Denken anderen zu überlassen) und zu lernen, mehr Dinge selber zu machen (statt sich von anderen abhängig zu machen).

In der Renaissance gab es viele Universalgelehrte, die gleichzeitig Künstler, Autoren, Wissenschaftler, Musiker und Handwerker waren. Heute sind die meisten Berufe ganz speziell auf ein gewisses Fachgebiet beschränkt das oft jenseits der Firma kaum einen Wert hat. Dabei ist gar nicht so schwierig, neue Dinge zu lernen. Gerade Internet und Laptop machen es möglich, dass man heute gleichzeitig Buchautor, Musiker, Publizist, Marketier, Produzent, Händler, Programmierer, Ingenieur, Koch, Künstler, Sportler, Erfinder und was weiss ich noch gleichzeitig ist.

Welche drei Persönlichkeiten (z. B. Autoren, Aktivisten, Mitmenschen) haben Sie kürzlich besonders inspiriert bzw. wen bewundern Sie?
Ray Kurzweil fällt mir als Erstes ein: Er ist Erfinder des Synthesizers, der Schrift-Erkennung und der Sprach-Erkennung, sowie vieler weiterer Erfindungen, die für uns heute selbstverständlich sind. Er ist auch Forscher für künstliche Intelligenz und Zukunftsforscher. Seine Voraussagen über die technologische Entwicklung der Menschheit sind extrem präzise. Was viele nicht wissen: Kurzweil erkrankte vor einiger Zeit an Diabetes Typ 2 und gemeinsam mit seinem Hausarzt ging er den medizinischen und biochemischen Ursachen auf den Grund, bis er die Krankheit durch richtige Ernährung und Nahrungsergänzungs-Mittel erfolgreich besiegte. Die nächste Stufe der menschlichen Evolution wird technologisch sein.

Joel Salatin ist ein Pionier aus den USA, der mit seiner Polyface-Farm nicht nur nachhaltige, regionale Bio-Produkte erzeugt und sich mit seiner Produktions-Kapazität pro Hektar Land nicht hinter industrieller Landwirtschaft zu verstecken braucht, sondern Besuchern auch die Gelegenheit gibt, jeden Schritt seiner Produktion zu beobachten, inklusive Schlachtung unter freiem Himmel. „Sunlight is the best disinfectant“ hat hier mehrere Bedeutungen: Wenn mehr Menschen sehen könnten, was sie genau essen und wie es produziert wurde, würden sie sich automatisch gesünder, nachhaltiger und verantwortungsvoller ernähren. Ich bin sicher, dass es auch in Deutschland einige Joel Salatins unter den regionalen Bio-Betrieben gibt!

Ich bin durchaus kein Muskelmensch (eher der Läufer-Typ), aber trotzdem hat mich die Autobiografie von Arnold Schwarzenegger sehr beeindruckt. Ganze fünf Karrieren in einem Leben und er ist immer noch nicht fertig: Investor, Bodybuilder, Schauspieler, Gouverneur und Buch-Autor. Es ist toll, zu sehen, wie diese Karrieren ineinander übergehen und wie viele Gemeinsamkeiten hinter diesen äußerlich so unterschiedlichen Berufen stecken.

Mir fällt gerade auf, dass der Oberbegriff „Synergien“ sehr gut auf alle drei Antworten zutrifft …

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